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Fasten, Stille – und der Spiegel, den wir sonst vermeiden

Ein Dialog mit Alexander Griesbach

Neulich entstand unter einem meiner Beiträge ein Austausch, der mich selbst noch einmal neu auf mein eigenes Arbeiten schauen ließ.

Alexander Griesbach schrieb:

„Stille nicht als Abwesenheit, sondern als Konfrontation mit dem, was immer schon da war.“

Dieser Satz trifft den Kern dessen, was ich in Fastenwochen immer wieder beobachte.

Fasten ist kein Verzicht – es ist Verdichtung

Viele kommen mit einer äußeren Motivation:

Gewichtsreduktion, Entzündung senken, Darm beruhigen, Blutdruck stabilisieren.

Und ja – das geschieht.

Der Körper wird ruhiger. Entzündungsmarker sinken. Der Stoffwechsel stellt um.

Aber parallel geschieht etwas Zweites.

Mit jeder Mahlzeit, die wegfällt, fällt auch ein Stück Ablenkung weg.

Mit jedem Leberwickel wird es ein bisschen stiller.

Mit jeder Tasse Brühe ein bisschen klarer.

Und dann kommen sie, diese Fragen:

Was will ich eigentlich noch vom Leben?

Warum bin ich so erschöpft?

Was davon liegt wirklich in meiner Verfügung?

Alexander brachte es wunderbar auf den Punkt:

Das ist der philosophische Weg in Kurzform.

Sokrates hätte Jahre gebraucht.

Wir erleben es in sieben Tagen. Mit Brühe.

Frankl, Eckhart – und dann Simone Weil

Im Austausch entstand die Frage:

Welche Denker begleiten eine Fastenwoche wirklich sinnvoll?

Viktor Frankl mit seiner Haltungsethik.

Meister Eckhart mit seiner radikalen Innerlichkeit.

Und Alexander ergänzte einen Namen, der mich besonders berührt hat: Simone Weil.

Nicht für jeden, das ist wahr.

Aber für jene, die in der Stille nicht nur denken, sondern horchen wollen.

Ihr Begriff der Aufmerksamkeit ist kein intellektuelles Konzept.

Er ist Übung.

Aufmerksamkeit als vollständiges Anwesendsein.

Ohne sofort zu bewerten.

Ohne zu greifen.

Ohne das Ich in den Mittelpunkt zu stellen.

Das klingt fast wie eine Anleitung für die erste Fastenwoche.

Die Stille als Spiegel

Was mich an Alexanders Reaktion besonders bewegt hat, war sein Bild vom Spiegel.

Stille ist nicht leer.

Sie ist konfrontativ.

Sie zeigt nicht Neues –

sie zeigt das, was immer schon da war und übertönt wurde.

Viele Menschen fürchten genau das.

Nicht den Hunger.

Nicht den Kaffeeentzug.

Sondern diesen Moment, in dem nichts mehr zwischen ihnen und ihrer eigenen Wahrheit steht.

Was wir im Fastenraum eigentlich tun

Alexander formulierte etwas, das ich als großes Kompliment empfinde:

„Du hältst einen Raum offen, in dem Fragen erlaubt sind, die im Alltag keinen Platz finden.“

Genau das ist der Kern meiner Arbeit.

Ich biete keine philosophische Schulung an.

Und doch geschieht Philosophie.

Ich biete eine körperliche Kur an.

Und doch geschieht innere Ordnung.

Fasten ist für mich keine Askese.

Es ist eine Reduktion auf das Wesentliche.

Und manchmal zeigt sich im Weglassen deutlicher,

wer wir sind,

als in all dem, was wir uns täglich hinzufügen.

Danke, Alexander, für diesen ehrlichen Dialog.

Solche Gespräche erinnern mich daran, warum ich diesen Weg gehe.

Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft:

Fasten reinigt nicht nur den Körper.

Es schafft einen Raum, in dem wir uns selbst wieder zuhören können.

 
 
 

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André Weber

Heilpraktiker mit Schwerpunkt Heilfasten, Darmgesundheit und TCM-Ernährung.

Ich begleite Fastenkund:innen persönlich – klar strukturiert, alltagstauglich und mit Blick auf Verdauung, Energie und Regeneration.

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